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Owen Pallett war in Wien. Nicht zum ersten Mal. Vor knapp fünf Monaten noch Support-Act und Begleitmusiker, galt das Gastspiel im Rhiz einzig und allein seinem Soloprojekt Final Fantasy.

Das erste Konzert seit drei Monaten. Die Schlammschlacht hat ihre Spuren hinterlassen. Jedenfalls scheint die Zeit der Lethargie überwunden zu sein. Zumindestens wenn es nach dem Terminkalender der nächsten Wochen und Monate geht. Jede Menge selbstauferlegter Stress. Wobei sich der Großteil des Geschehens in den "üblichen" Konzerthallen der Stadt abspielt. Die Lokalitäten unter den Stadtbahnbögen sind da eher die Ausnahme. Und das liegt gar nicht mal am Gerumpel der alle paar Minuten über einen hinwegbrausenden U-Bahn. Nein, daran hat man sich bereits gewöhnt. Vielmehr liegt es einerseits am Angebot, andererseits aber auch an den begrenzten Möglichkeiten. Egal ob Chelsea, B72 oder Rhiz: Platz ist Mangelware. Erst recht, wenn die Konzertveranstaltungen in diesen Räumlichkeiten ausverkauft sind.

Owen PallettOwen Palletts erste Solotour durch Europa brachte ihn auf eine der schnuckligen Bühnen am Wiener Gürtel. Und wie befürchtet: Das Rhiz platzte aus allen Nähten. Wen wundert's? Immerhin ist der Violinist festes Mitglied bei Arcade Fire - er arrangierte auch sämtliche Streicher auf "Funeral" - und spielte gemeinsam mit seinen kanadischen Landsleuten im Mai dieses Jahres im Flex eines der besten Konzerte, das Wien 2005 zu Augen und Ohren bekam. Als Final Fantasy war Pallett damals auch als Vorband tätig und sorgte unter den Anwesenden für manche Verwunderung. Bei ihm werden nämlich Geige und Bogen nicht nur im herkömmlichen Sinn verwendet. Stichwort: Loop-Pedal.

Die Violine als Pop-Instrument.

"Has A Good Home", das bezaubernde Debut von Final Fantasy, ist wohl eines jener Alben, bei dem ich früher oder später bereuen werde, an dieser Stelle nichts darüber geschrieben zu haben. Allein wegen dem herausragenden "This Is The Dream Of Win & Regine", das auch an diesem Abend im Rhiz zu den Höhepunkten gehörte. Ebenso wie die Coverversionen von Joanna Newson ("Peach Plum Pear") und Bloc Party ("This Modern Love"). Wären diese von Pallett nicht als solche angekündigt worden, man hätte wohl doch eine Weile gebraucht sie zu erkennen. Dermaßen anders präsentierten sich seine Interpretationen. Wie man Final Fantasy überhaupt eine gewisse musikalische Eigenständigkeit zugestehen muss. Und das liegt nicht nur an der im Live-Kontext vorgetragenen Loop- oder Sample-Technik. Auch wenn es schon fast einer Sensation gleichkommt, wie hier komplexeste Songstrukturen nach und nach aufgebaut werden. Vor allem ist es nämlich jene sparsam umgesetzte Mischung aus fragiler Kammermusik und euphorischem Pop, die sich vom Herkömmlichen abhebt. Schaurig-schön und herzbrecherisch zugleich. Ohne jedoch den schalen Beigeschmack vermeiden zu können, dass sich im Endeffekt doch ein Song wie der andere anhört. Egal. Der Mann hat klassische Musik studiert. Der Mann weiß, was er tut.

In der zweiten Konzerthälfte wurde Pallett von Von Spar-Drummer Philipp Janzen auf der Bühne unterstützt. Zu der geloopten Violine und dem zärtlichen Gebrüll gesellte sich fortan auch der hämmernde Rhythmus eines Schlagzeuges. Wenn auch eines bemerkenswert kleinen. Das erinnerte mich an das diesjährige Konzert von Patrick Wolf. Auch aufgrund der alleinigen Rückkehr nach dem Hauptset, wo Pallett nach knapp 60 Minuten im Zugabeteil ein neues Stück ("Dear Dad") von "He Poos Clouds", dem gerade in Arbeit befindenden neuen Album von Final Fantasy, zum Besten gab. Ein ums andere Mal ergreifende Momente. Daran konnten auch die widrigen Umstände - maßlos überfüllte, überhitzte und verrauchte Halle, in der nur die ersten Reihen oder Leute mit einer Körpergröße um die zwei Meter gut gesehen haben - nichts ändern. Ein wirklich feines Konzert.

Final Fantasy
11.10.2005 - Wien, Rhiz.


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